Der kleine Elefant und die große See – die kleinen, großen Freuden

Elefanten fahren nicht an die Nordsee, denkst Du? Dieser kleine Elefant tat es.

Oft schon war der kleine Elefant mit seiner Mama an die Nordsee gefahren, aber noch nie hatte er es so schön gefunden wie dieses Mal. Ob das daran lag, dass er jetzt älter war?

Er konnte sich nicht einkriegen vor Freude über das Blau des Meeres, das manchmal auch ein Grau oder ein Grün war, das Blau oder Grau oder Hellblau des Himmels, die wunderbar erfrischende, nach Salz schmeckende Luft, die kleinen, gemütlichen Inselhäuschen mit ihren winzigen Gärten, in denen ein kleiner Baum stand oder ein paar Blumen.

Besonders wenn es Abend wurde, zog es ihn an den Strand. Lange konnte er einfach nur dastehen und auf das Meer hinausschauen, das endlose Meer, das hier begann und irgendwo endete, der kleine Elefant wusste nicht ganz genau, wo das war. Das in endloser Ausdehnung bis an die Küste ferner Länder reichte.IMG_0706.JPG

In der Dämmerung läuft der kleine Elefant den einsamen Pfad entlang, der zu den Dünen führt. Noch im Windschatten der Häuser hört er die tobende See. Er rennt an den Dünen vorbei, den kleinen, grasbewachsenen Sandhügeln, und läuft über den Strand bis zum Wasser. Welle um Welle rollt heran, das mag er.

Der kleine Elefant vergisst die Zeit. Ganz ausgelassen läuft er am Strand auf und ab, nahe am Wasser, aber er passt auf, dass die Wellen nicht über seien Füße rollen. Die Sterne kommen heraus, einer nach dem anderen. Die Luft schmeckt salzig, „nach See“. Der Elefant schwenkt vor Freude den Rüssel. Alle paar Sekunden streift einer der drei Strahler des Leuchtfeuers den kleinen Elefanten. Der kleine Elefant weiß, wo der hübsche Leuchtturm steht, am Ende der Insel, dorthin hat er einen Ausflug gemacht. Jetzt möchte er gar nicht nach Hause. Aber plötzlich bekommt er doch Hunger, und trabt, immer dem Rüssel nach, fröhlich nach Hause.

Als der kleine Elefant am nächsten Tag aufwacht, ist er sofort munter. Schnell springt er aus dem Bett. Am liebsten würde er sofort nach draußen laufen und die schöne Seeluft schnuppern, aber zuerst muss er Tee trinken, darauf besteht seine Mama. Während er am Küchentisch sitzt, beobachtet er die Möwen. Ein lautes Geschrei machen sie, auch hier, nahe bei den Häusern. Sie gehören zur See dazu. Nach zehn Butterbroten ist der kleine Elefant satt. „Wie schön ist es hier“, denkt er, als er vor die Tür tritt. „Heute laufe ich in die andere Richtung, zum Wattenmeer.“

Wattenmeer nennt man den Teil des Meeres zwischen Insel und Festland. Es ist viel ruhiger als die „Seeseite“, beinahe so glatt wie ein Spiegel. Bei Niedrigwasser kann man im Wattenmeer umhergehen und Muscheln suchen. Das möchte der kleine Elefant bald einmal ausprobieren.

Dann sieht er ihn, den grauen dort. „Ein Seehund“. Er läuft zu ihm hin. „Ruhst Du Dich aus?“ fragt der kleine Elefant. „Komm lieber mit mir spazieren.“ „Das kann ich nicht“, sagt der Seehund. Ich bleibe hier auf der Sandbank.

Ein Glöckchen ertönt aus der Richtung, wo die kleine Inselkirche steht. „Da gehe ich auch bald hin“, denkt der kleine Elefant.

Als er die kleine Kirche betritt, gefällt es ihm gut. Sie ist so ganz anders als alle Kirchen, die der kleine Elefant bisher kannte. Die alten Holzbänke mit ihren geschnitzten und bunt bemalten Verzierungen. „Das Blau sieht schön aus“, denkt der kleine Elefant. Vorne in der Kirche hängt ein großes Schiff. Eine echte Seefahrerkirche. Später erzählt er dem kleinen Seestern davon, den er am Strand trifft. „Ja, hier ist es schön“, meint auch der kleine Seestern.

Am Abend geht seine Mama wieder mit ihm zum Strand. Die Luft, die so herrlich nach Salz schmeckt, macht den kleinen Elefant ganz übermütig. Der Wind hat gedreht und kommt jetzt von der Seeseite. Dem kleinen Elefant bleibt fast die Luft weg. Windstärke 10, das war es bestimmt. Wenn er sich umdreht und mit dem Rücken gegen den Wind lehnt, kann er im Stehen „schlafen“. „Das macht Spaß. Ich möchte immer hier bleiben“, denkt er plötzlich.

Als er sich umdreht, sieht er in der Dunkelheit etwas leuchten. Zuerst erschrickt er. Was kann das sein? Es glitzert in allen Farben und ist fast durchsichtig. Eine Qualle? Der kleine Elefant weiß, was eine Qualle ist. Sie sieht manchmal wie ein Spiegelei aus. Aber das hier war etwas anderes. Langsam geht er einen Schritt näher.

„Ich bin ein Wassergespenst“, spricht das glitzernde Wesen plötzlich. „Ich wohne hier“. „Du hast es gut“, meint der Elefant, „aber ich muss bald wieder nach Hause fahren“. „Das stimmt“, überlegt das Wassergespenst, „das ist traurig, aber ich weiß etwas. Du kannst immer hier bleiben, in Gedanken. Du stellst Dir die Sterne vor und den Wind –und dann hörst Du plötzlich wieder das Rauschen des Meeres. Und Du erinnerst Dich an die Einsamkeit.“

Da lacht der kleine Elefant. „Bis zum nächsten Mal, Wassergespenst, und danke“. Froh und zufrieden geht er nach Hause.

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